Inhaltlicher Projektkern

Die Varie des Cassiodor und das ostgotische Italien

Die Variae des Cassiodor bilden den inhaltlichen Kern des Forschungsprojekts.

Der römische Politiker und Schriftsteller Flavius Magnus Aurelius Cassiodorus Senator(* ca. 490 in Scylaceum, Bruttium; † ca. 583 im Kloster Vivarium, bei Scylaceum) hat der Nachwelt eine Sammlung von 470 offiziellen Schriftstücken der ostgotischen Königskanzlei aus der Zeit von 507 bis 537 hinterlassen: die Variae.

Die Variae, die für das Verständnis der politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen an der Schwelle von der Spätantike zum Frühmittelalter von wesentlicher Bedeutung sind, werfen einzigartige Schlaglichter auf die damalige Alltags- und Lebenswelt der Menschen, auf soziale und ökonomische Verhältnisse, auf politische Institutionen und politische Aushandlungsprozesse, auf die Integration verschiedener Ethnien, Kulturen und Religionen, aber auch auf den sprachlichen Wandel vom spätantiken Latein hin zu dem des Mittelalters. Hierdurch bieten die Variae zahlreiche Anknüpfungspunkte für die unterschiedlichsten Fächer und Fachdisziplinen wie die Geschichtswissenschaften, die Archäologie, Historische Geographie, Klassische und Mittellateinische Philologie etc.

Aufgrund der Heterogenität des Textmaterials und in Ermangelung einer klaren chronologischen oder thematischen Ordnung der Texte ist jedoch ein zielgerichteter und systematischer Zugriff auf das historische Datenmaterial erschwert. Dies prädestiniert die Variae zugleich für die Erprobung von Modellen digitaler und kollaborativer Analyse. Mit Blick auf das Interesse an einer Erschließung der Variae kann das Projekt hierdurch auch zu einer stärkeren Vernetzung der Forschungs-Community und der Bündelung von Untersuchungsergebnissen beitragen. Für die Erprobung des Innovationspotentials digitaler Methoden in geisteswissenschaftlichen Arbeitsprozessen am Beispiel der Variae Cassiodors durch 19 internationale Forschungsgruppen ist es notwendig, das Textmaterial aufzubereiten. Verantwortlich für die Forschungskoordination und den historischen Dateninput ist der Arbeitsbereich Alte Geschichte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Prof. Dr. Marietta Horster).

Das Team der JGU verfolgt dabei zwei Arbeitsschwerpunkte: